Episode 1: Der Rückwärts-Abflug
Batty stand ganz am Rand des Großen Eichenzweigs und zog das Band seiner roten Glücksbrille fest. Heute war die große Nacht; er würde endlich fliegen lernen, auch wenn seine Knie wie Wackelpudding zitterten. „Ich bin ein wildes Geschöpf der Nacht“, quiekte er und versuchte, mutig zu klingen.
Batty traute dem einfachen Flügelschlagen nicht, also hatte er sich einen „besseren“ Plan ausgedacht. Er hatte zwei riesige Ahornblätter mit klebrigem Baumharz an seine Arme geklebt. „Wissenschaft ist besser als Flattern“, verkündete er und sah dabei aus wie ein sehr verwirrter Salat.
Er nahm Anlauf und sprang ab, wobei er „Tally-ho!“ rief, sofort gefolgt von einem lauten „Oje!“. Die Blätter rissen im Wind sofort ab, und Batty fiel wie ein flauschiger Stein in Richtung Waldboden.
Boing! Er prallte von einem riesigen, leuchtend blauen Pilz ab und landete direkt vor Professor Hoot. Die alte Eule blickte über ihr Monokel herab. „Ist das eine neue Art des Fallens, junger Barnaby?“, fragte die Eule trocken.
„Ich habe nur... die Schwerkraft getestet“, log Batty und klopfte sich den Staub aus dem Fell. Genau in diesem Moment kitzelte eine flauschige Motte seine Nase, und ein gewaltiger Nieser braute sich in ihm zusammen. „Ha... ha... TSCHI!“
Die Wucht des Niesers war so stark, dass sie Batty wie eine Rakete rückwärts in die Luft katapultierte! Er sauste an den Glühwürmchen vorbei und drehte einen perfekten, unbeabsichtigten Looping, während er vor Vergnügen schrie.
Er packte mit seinen Zehen einen hohen Ast und schwang sich kopfüber zum Stillstand, außer Atem, aber grinsend. Er war zwar nicht ganz richtig geflattert, aber er flog definitiv. „Das war Absicht“, flüsterte Batty, während er zusah, wie sich die Welt drehte.
Episode 2: Der holprige Nachtflug
Batty zog seine rote Fliegerbrille mit einem Schnalzen über seine Augen. „Heute Nacht werde ich nicht niesen müssen, um zu fliegen“, verkündete er dem Mond und schlug kräftig mit seinen Flügeln. Professor Hoot seufzte und öffnete ein Auge: „Versuche diesmal bitte, den festen Gegenständen auszuweichen, mein Junge.“
Er schwang sich in die Luft und – erstaunlicherweise – er segelte! Der Wind pfiff an seinen Ohren vorbei, doch Batty merkte schnell, dass Lenken viel schwerer war als Flattern. Er trieb zur Seite, direkt auf den Rand des sicheren Waldes zu.
Ein hohes, rotes Achteck tauchte am Ende der Straße aus der Dunkelheit auf. Batty kniff die Augen zusammen und versuchte, die weißen Buchstaben zu lesen, aber – PONG! Er prallte direkt von dem Metallschild ab und sah kleine gelbe Sterne um seinen Kopf kreisen.
Schwindelig wirbelnd sauste er rückwärts in eine dunkle, gemütliche Ecke zwischen zwei Eichenzweigen. Plötzlich fühlte er sich ganz klebrig. Er war direkt in das größte und seidigste Netz geflogen, das er je gesehen hatte!
Eine winzige grüne Spinne mit einer blauen Schlafmütze krabbelte an einem Faden herab. „Entschuldigung“, sagte die Spinne höflich, „du bist viel zu schwer, um eine Fliege zu sein.“ Batty entschuldigte sich vielmals, während er sich freizappelte und dabei versehentlich den Großteil des Netzes mitnahm.
Der Heimflug war wackelig und langsam. Batty war über und über mit klebriger weißer Seide bedeckt und hatte einen kleinen lila Bluterguss um sein linkes Auge vom Stoppschild. Doch während er flatterte, breitete sich ein breites, zahniges Grinsen auf seinem Gesicht aus.
Er machte eine Bruchlandung auf dem Ast und rollte wie ein klebriger Schneeball, bis er gegen Professor Hoots Fuß stieß. „Ich habe gegen einen roten Riesen und ein klebriges Monster gekämpft“, jubelte Batty, obwohl er wie ein Häufchen Elend aussah. „Und ich kann es kaum erwarten, morgen wieder loszuziehen!“
Episode 3: Das Höhlen-Rätsel
Batty beschloss, dass es Zeit für seine erste Solo-Expedition zu den Echo-Höhlen war, dem beliebten Ausflugsziel für abenteuerlustige Flieger. Er packte seinen winzigen Blätter-Rucksack mit seinen Lieblingssnacks voll – getrocknete Mangoscheiben und zuckersüße Feigen. „Keine Trinkflasche für mich“, verkündete er stolz. „Mama hat mir beigebracht, dass ein echter Entdecker seine eigenen Schlucke findet!“
Die Höhle war riesig und voller Fledermäuse, die wie im Berufsverkehr hin und her sausten. Batty hatte so viel Spaß dabei, Stalaktiten auszuweichen, dass er gar nicht merkte, wie die Menge immer dünner wurde. Er folgte einem Felsen, der verdächtig wie eine riesige Banane aussah, und flitzte einen ruhigen, unbekannten Tunnel hinunter.
Plötzlich war alles ganz still. Batty schwebte auf der Stelle und merkte, dass er keine Ahnung hatte, wo der Ausgang war. „Ich habe mich nicht verflogen“, flüsterte er einem Stein zu, „ich nehme nur die schöne Aussichtsroute.“ Er hatte jedoch keine Angst; die Höhle leuchtete durch freundliches blaues Moos.
Sein Bäuchlein gab ein lautes Knurren von sich, das dreimal echote. Batty fand einen gemütlichen Vorsprung und setzte sich hin, um an einer getrockneten Feige zu knabbern. „Panik ist was für Vögel“, murmelte er mit vollem Mund, „Fledermäuse benutzen ihren Verstand und ihren Bauch.“
Nach seinem Snack bekam Batty Durst. Er erinnerte sich an Mamas Lektion: „Wenn du Wasser willst, lausche dem Stein.“ Er schloss die Augen und drehte seine großen, flauschigen Ohren wie Radarschüsseln, um auf das verräterische Tropf-Tropf-Geräusch zu hören.
Er folgte einem leisen Plätschern zu einer wunderschönen, versteckten Grotte, in der Wasser in ein kristallklares Becken rieselte. Er nahm einen erfrischenden Schluck und war stolz auf seine Überlebenskünste. „Nimm das, Trinkflasche!“, zwitscherte er.
Gerade als er gehen wollte, entdeckte Batty etwas Seltsames hinter einem Vorhang aus Efeu. Es war kein Stein, sondern eine winzige, uralte Holztür mit einem Messinggriff, die direkt in die Höhlenwand eingebaut war. Er streckte einen Flügel aus, um sie zu berühren...
Episode 4: Das Geheimnis der verschwundenen Socken
Batty drückte mit beiden Flügeln gegen den schweren Messinggriff. Die winzige Tür knarrte leise, als warmes, goldenes Licht in den dunklen Höhlentunnel strömte. Es roch herrlich seltsam – nach Pfefferminztee und staubigem altem Papier.
Drinnen war ein gemütlicher, in die Erde gegrabener Raum, der bis unter die Decke mit Bergen seltsamer Schätze gefüllt war. Es gab Berge aus einzelnen bunten Socken, Türme aus Tennisbällen und einen Hügel, der ganz aus glänzenden Hausschlüsseln bestand. Batty klappte vor Staunen der Mund auf.
Plötzlich wackelte ein Haufen karierter Socken, und ein kleiner Maulwurf mit dicker Brille und einem Bergmannshelm schlüpfte heraus. „Wir haben geschlossen!“, brummte der Maulwurf und blinzelte Batty an. „Das Fundbüro für verlorene Menschendinge öffnet erst im Morgengrauen.“
Batty rückte höflich seine Fliegerbrille zurecht. „Ich bin kein Kunde, Sir. Ich bin Batty der Entdecker, und ich habe mich ein bisschen verflogen.“ Der Maulwurf, der Mortimer hieß, blickte nun etwas freundlicher. „Ah, ein Flieger. Ihr seid in Tunneln einfach hoffnungslos“, kicherte er.
Mortimer beschloss, Batty sein liebstes Fundstück zu zeigen. Er hielt eine leuchtend rosa Plastik-Frisbeescheibe hoch. „Das hier ist der Essteller eines Riesen“, erklärte Mortimer ernst. Batty nickte ehrfürchtig und tippte mit seiner Kralle dagegen. „Faszinierende Wissenschaft“, pflichtete Batty ihm bei.
Um Batty nach Hause zu bringen, Mortimer zeigte auf ein großes, glattes Rohr mit der Aufschrift ‚Die Express-Rutsche‘. „Es führt direkt zur Oberfläche, aber es ist ein bisschen schnell“, warnte der Maulwurf. Batty salutierte tapfer. „Geschwindigkeit ist mein zweiter Vorname!“, flunkerte er.
Wusch! Batty schoss aus dem Rohr und landete mit einem leisen *Plopp* direkt in seinem Heimatbaum, mit einer verirrten Socke auf dem Kopf, die wie eine Mütze aussah. Professor Hoot blickte von seinem Ast herab. „Wie ich sehe, hast du ein Souvenir gefunden“, huupte die Eule leise.
Episode 5: Die Mitternachts-Modenschau
Batty bewunderte sein Spiegelbild in einem Tautropfen und drehte seinen Kopf von einer Seite zur anderen, um die gestreifte Socke zu präsentieren, die immer noch auf seinem linken Ohr thronte. „Das ist nicht nur eine Socke“, verkündete Batty dem stillen Wald. „Es ist eine Krone der Wärme! Ich bin der König der Gemütlichkeit.“
Er blickte hinüber zu Professor Hoot, der auf einem Ast in der Nähe schlummerte und seine Federn gegen die kühle Brise aufgeplustert hatte. Batty spürte einen Anflug von Großzügigkeit. „Ein König muss sich um seine Untertanen kümmern“, flüsterte er. „Der Professor braucht auch einen Hut!“
Batty sauste zum Waldboden hinunter, um nach Vorräten zu suchen. Er fand ein glänzendes rotes Bonbonpapier und ein großes, schalenförmiges Eichelhütchen. „Zu knisterig“, murmelte er und warf das Papier beiseite, bevor er ein perfekt eingerolltes, getrocknetes Ahornblatt entdeckte.
Er flog so leise wie ein Schatten (zumindest dachte er das) und schwebte direkt über der schlafenden Eule. Vorsichtig ließ er das knusprige Blatt auf Professor Hoots Kopf herabsinken. *Knack-raschel!* Das Blatt machte ein lautes Geräusch, als es die Ohren der Eule berührte.
Plötzlich fegte ein Windstoß durch den Baum! Er weckte die Eule zwar nicht auf, aber er wehte die gestreifte Socke direkt von Battys Kopf. „Meine Krone!“, kreischte Batty, ließ das Blatt fallen und jagte seinem kostbaren Schatz hinterher, der in der Dunkelheit davonflatterte.
Die Socke schwebte tief, tief, tief hinunter, bis sie sanft auf dem Schwanz eines Opossum-Babys landete, das an einem unteren Ast hing. Das kleine Opossum quiekte überrascht und wackelte dann rückwärts, bis die Socke es wie ein warmer, bunter Schlafsack einhüllte.
Batty landete neben dem Opossum und seufzte, als er sah, wie glücklich das kleine Tierchen aussah. Er rückte seine Fliegerbrille zurecht und lächelte. „Behalt sie ruhig, Bürger“, sagte Batty heldenhaft. „Ein Held zu sein ist sowieso viel besser, als ein König zu sein.“